Porzellanrestauration

Vor Beginn einer Porzellanrestauration stehen die genaue Analyse des Objektzustands und die gründliche, schonende Reinigung. Letztere erfolgt entweder trocken mit Tuch, Pinsel und dosierter Druckluft oder per Nassreinigung im Wasserbad unter Anwendung von Bürsten, speziellen Chemikalien oder Enzymen.

Anschließend werden Bruchstücke in einer verdünnten Wasserstoffperoxid-Lösung gebleicht, um eventuelle Reste organischer Verunreinigungen zu beseitigen. Die Neutralisierung erfolgt in destilliertem Wasser.
Nach der Trocknung werden die zu klebenden Flächen mit Aceton entfettet.

Im Laufe der Jahre hat sich die Klebetechnik bei der Porzellanrestaurierung verändert: Wegen der Eigenschaften, der zur Verfügung stehenden Klebestoffe, wurde in der Vergangenheit die sogenannte Stück-für-Stück-Klebung angewandt. Neue Generationen weiterentwickelter Klebestoffe bilden die Grundlage für die moderne Infiltrationsklebung, die heute übliche restauratorische Verfahrenstechnik. Hierbei werden die Bruchstücke nacheinander zusammengesetzt und mit speziellen Klebestreifen fixiert. Für die Klebung wird ein Spezial-Epoxidharz eingesetzt und auf die Bruchstellen aufgetragen. Durch die Kapillarwirkung dringt dieses niederviskose Klebstoffsystem in die haarfeinen Fugen ein und härtet aus. Überschüssiger Epoxidharz wird dann nach dem Aushärten mit einem Skalpell und einem Heißluftgebläse vorsichtig entfernt. Auf diese Art und Weise lassen sich auch Sprünge kleben, ohne dass das gesprungene Stück — wie oft vermutet -  gebrochen werden muss.

Fehlen größere oder aufwendig gestaltete Teile, wird zunächst ein originalgetreues Tonmodell erstellt und mit einer speziellen Silikonmasse abgeformt. Ist das fehlende Teil mehrfach an dem Porzellanstück oder an anderen identisch vorhanden, kann auch ein Abdruck genommen werden.

Auf visueller und messtechnischer Grundlage wird für die Ergänzung nun die zum Porzellanstück passende  Masse aus fünf verschiedenen Farbnuancierungen mit bis zu acht Abstufungen gewählt. Die einzelnen Komponenten der Ergänzungsmasse (Farbmittel, Stabilisator und synthetisches Silikat) müssen überaus genau (auf ein tausendstel Gramm) dosiert und von manuell gemischt werden. Als Bindemittel dient Epoxidharz.

Die Ergänzungsmasse wird nun entweder in eine vorbereitete Silikonform eingearbeitet oder direkt an das Objekt anmodelliert. Sind die Formlinge ausgehärtet, werden sie aus der Silikonform entnommen, ggf. überarbeitet und an die Fehlstelle angepasst, ohne dass dabei am Porzellan geschliffen wird. Als Kleber dient Epoxidharz. Auf diese Art und Weise lassen sich z.B. fehlende Arme, Beine, Finger, Blüten und Blätter usw. originalgetreu ergänzen.

Abschließend findet eine Dekorretusche mit Künstleracrylfarben oder Aquarellfarben mit höchster Lichtechtheit statt und die Ergänzung erhält einen Überzug aus Kunstharzglasur, um die optischen Eigenschaften des Porzellans zu imitieren.

 
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